Aufräumen gegen seelische Isolation

Expert*innen der pro mente Austria Mitgliedsorganisationen und Partnerorganisationen geben ihre persönlichen Tipps, wie es sich gut durch die Krise kommen lässt. Heute von Dr. Georg Psota, Chefarzt Neurologie.
Dieses Interview erschien zuerst auf wien.orf.at am 16.03.2020

Keine Arbeit oder „Home Office“, Beschränkung bei sozialen Kontakten in Lokalen, deutlich mehr Isolation für betagte Menschen: Das kann derzeit erhebliche seelische Probleme bedeuten. Vielen Menschen helfe „Ordnungmachen“, so der Expertenrat.

„Ordnungmachen beschäftigt, lenkt ab und gibt ein gutes Gefühl. Ebenso hilft vielen Menschen, wenn sie sich den jeweiligen Tag oder die nächsten Tage gut strukturieren“, erklärt der Chefarzt der Wiener Psychosozialen Dienste (PSD), Georg Psota. Die Menschen sollten sich zuhause im privaten Umfeld die Zeit über den Tag verteilt einteilen im Sinne von „dann mache ich dieses und dann mache ich jenes“.

Ältere Angehörige: Anruf täglich zur selben Zeit

Für die meisten Menschen gäbe es genug zu tun. „Man kommt sonst meistens ohnehin nicht dazu. Alles Mögliche, was man schon längst zusammenräumen wollte, könnte jetzt einmal in Ordnung gebracht werden“, sagte der Experte. Wichtig für die „Daheimgebliebenen“ sei auch das Aufnehmen einer adaptierten Routine, betonte Psota.

„Es ist auch sinnvoll, sich bestimmte Telefonate zu bestimmten Zeitpunkten auszumachen, also jemand wie ein älterer Angehöriger, den man derzeit nicht besuchen kann, wird jeden Tag um die gleiche Zeit oder die gleichen Zeiten angerufen und braucht nicht zu warten, bis man sich meldet.“

Gymnastik und ausgewählter Medienkonsum

Es gehe einfach darum, den Tag zu strukturieren. Der Psychiater: „Das bringt ein Gefühl der Übersicht und einer eigenen Wirksamkeit. Gymnastikübungen, die man schon längst machen wollte, aber zu denen man nie gekommen ist, sind auch eine Möglichkeit. Selbstverständlich einzeln in einem Zimmer, aber auf jeden Fall.“

Schließlich gehe es auch um den Medienkonsum. Psota appelliert: „Man muss sich auch nicht dauernd, und hier meine ich wirklich dauernd, unangenehme Nachrichten anhören. Man kann davon auch einmal Pause machen und sich einen Film geben, den man auf DVD hat und schon längst ansehen wollte.“ Achtsamkeit für die eigene Seele und die Psyche der nächsten Angehörigen, Freunde, Bekannten und Mitmenschen generell sei jetzt angebracht.

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