Wie können ich und meine Lieben in Zeiten der Krise seelisch fit bleiben?

Teil 1 der Kolumne von Dr. Günter Klug zur psychischen Gesundheit in Zeiten von COVID-19

pro mente Austria Präsident Dr. Günter Klug gibt in einer mehrteiligen Kolumne praxistaugliche und lebensnahe Tipps, wie wir mit der Corona-Krise umgehen können.

Es gibt bereits viele Info Blätter, wie es möglich ist, sein inneres Gleichgewicht in Zeiten der Krise zu Hause zu halten. Die meisten davon sind zwar inhaltlich richtig, aber sehr kurz geschrieben. Man hat zwar Hinweise, aber die Umsetzung in den Alltag fällt schwer. Dieser kleine Ratgeber ist etwas ausführlicher aber, wie wir hoffen, leichter umsetzbar.

Allgemeines

Unabhängig vom bisherigen Leben verändert sich unser Tagesablauf durch die Corona-Krise und ihre Auswirkungen massiv. Bisher waren wir in der Arbeit, haben uns mit Freunden und Bekannten getroffen, mit der/m PartnerIn und den Kindern Zeit verbracht und uns, wenn möglich, auch etwas Zeit für uns selbst genommen. Da alle Familienmitglieder mehrere Aufgaben hatten, war die Zeit, die wir miteinander verbracht haben, begrenzt, manchmal auch zu wenig.

Und jetzt? Viele sitzen plötzlich unfreiwillig zuhause, im Home Office oder im virtuellen Klassenzimmer. Andere müssen weiter zur Arbeit außer Haus gehen. Manche arbeiten noch viel mehr als sonst, da sie zu den Schlüsselkräften der Infrastruktur, zu den „SystemerhalterInnen“ zählen, andere müssen in Kurzarbeit und wiederum andere haben ihre Arbeit ganz verloren. Alle Seiten finden das teilweise ungerecht. Was aber alle verbindet: Durch die gesetzlichen Einschränkungen muss viel mehr Zeit zuhause verbracht werden.

Je mehr Personen auf begrenztem Raum leben, desto schwieriger wird das Zusammenleben. Und dies in einer Situation, in der generelle Unsicherheit herrscht. Die Menschen plagen Zukunftssorgen und Ängste, teils unbegründete, teils übertriebene, teils berechtigte Ängste, z.B. weil sie zu einer Risikogruppe gehören.

Mit einem Wort: Die Situation ist für alle schwierig. Alle stehen unter Druck.

„Wir werden nur gut damit zurechtkommen, wenn wir uns einerseits strukturieren, an unseren Plänen festhalten und trotzdem anderen gegenüber tolerant sind.“

Dr.Günter Klug, Präsident von pro mente Austria

pro mente Austria hat eine Reihe von Tipps und Lösungsideen zusammengefasst, die den Alltag unter diesen schwierigen Bedingungen erleichtern.

Was kann ich für mich selbst tun?

Voraussetzung ist, dass ich für mich etwas tun möchte und den Willen dazu habe. Neben der allgemeinen Auflösung der Grundstruktur des Alltags kommen auch Ängste bezüglich der Erkrankung dazu, die kanalisiert werden müssen.

Die Aufrechterhaltung der Struktur am Tag

Da man jetzt oft den ganzen Tag zu Hause ist, muss man sich die Struktur selbst geben. Für manche Menschen ist das schwierig. Was bedeutet das: Es beginnt damit, sich eine regelmäßige Struktur zu schaffen und sich nicht treiben zu lassen. Also unter der Woche zu einem fixen, regelmäßigen Zeitpunkt aufstehen, die Körperhygiene nicht vernachlässigen und sich in ein Tagesgewand kleiden.

Ob Home Work oder nicht, man sollte sich den Tag in regelmäßige Arbeitsphasen und Erholungs- bzw. Freizeitphasen einteilen. Bei Home Work sind die Arbeitszeiten vielleicht vorgegeben. Ansonsten ist es notwendig sich Arbeiten zu suchen, die man schon lange aufgeschoben hat und erledigen möchte. Das kann vom Bilder sortieren, Kellerräumen, fachliches Lesen, Fortbildung, oder kleinere Reparaturen etc. alles sein. Dazwischen sollte man klare Zeiten für die Erholung haben.

An den Wochenenden bitte an die Zeitstruktur halten, die man auch früher an Wochenenden hatte, wie z.B. später aufstehen, länger frühstücken etc.. Meist heißt das auch, dass man sich mehr mit den Anderen entweder in der Wohnung oder über Telefon beschäftigen. Der Rhythmus thecasinoapps.com einer strukturierten Woche und eines etwas lockereren Wochenendes soll erhalten bleiben.

Es ist sinnvoll, so man die Möglichkeit hat, sich nicht den ganzen Tag im gleichen Raum aufzuhalten. Der Wechsel des Zimmers kann Abwechslung bringen, man kann einzelnen Räumen gewisse Aufgaben, Arbeiten, Freizeit, Kommunikation etc. zuordnen. Hat man diese Möglichkeit in einer kleinen Wohnung nicht, sollte man gelegentlich die Sitzgelegenheit wechseln und sich nach Möglichkeit in der Wohnung bewegen. Planen sie trotz der Einschränkung des Ausganges Spaziergänge für sich alleine und extra für sich mit etwaigen Familienmitgliedern ein.

Ideal ist es, sich mit wichtigen Personen fixe Zeiten der Kommunikation zu vereinbaren. Das kann per Telefon, aber auch per Mail oder Videotelefonie erfolgen. Dadurch haben alle die Sicherheit, dass es Kontakt gibt und können sich auch darauf freuen.

Gerade wenn man selbst etwas ängstlich ist und dazu neigt, sich von Katastrophenmeldungen und Gruppen beeinflussen zu lassen, ist es wichtig, die Zeit mit Nachrichten und Informationserwerb zu begrenzen. Es reicht, sich zum Thema Corona 1x täglich in den offiziellen Medien zu informieren. Social Media mit aufgebauschten Infos und WhatsApp Gruppen, die sich gegenseitig verunsichern und verängstigen, sind nicht hilfreich und sollten daher gemieden werden.

Teil 2 und noch mehr Expert*innen Tipps für diese schwierige Zeit finden Sie in den weiteren Beiträgen dieser Blog Reihe, die täglich veröffentlicht werden.

Dr. Günter Klug
Facharzt für Psychiatrie, Psychiater und Präsident von pro mente Austria

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