Was kann ich mir selbst Gutes tun?

Teil 2 der Kolumne von Dr. Günter Klug

Die Fortsetzung der Tipps, was jede*r für sich selbst tun kann, um gut durch diese Krise zu kommen, lesen Sie im zweiten Teil der Kolumne von pro mente Austria Präsident Dr. Günter Klug.

Was kann ich mir selbst Gutes tun?

Da mehr Zeit zur Verfügung steht, nutzen Sie sie. Gibt es etwas, das Sie schon immer tun wollten, was Ihnen Freude macht und Sie nie ausreichend dazu gekommen sind? Das kann für jeden etwas Anderes sein, z.B. längere Körperpflege (Gesichtsmaske, Bad etc.), Fitnesseinheiten in der Wohnung, Musik hören, Lesen oder auch im eigenen Garten (falls vorhanden) sich die Zeit zu vertreiben. Alles, was Sie gerne tun, was Sie ruhig macht, was Sie „erdet“ ist gut. Je nach Situation und Wunsch, machen Sie es alleine oder zu Zweit oder tauschen Sie sich mit Freunden darüber aus. Es soll Ihnen das Gefühl vermitteln, dass diese aufgezwungene Zeit auch gute Seiten hat. Das macht ruhiger und entspannter.

Das ruhige Sitzen zu Hause führt auch dazu, dass man seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann. Daraus entsteht innere Unruhe, der man durch Übungen zu Hause, aber besonders durch längere Spaziergänge, begegnen kann. Ob Sie gerne mit dem Rad fahren, laufen, oder zu Hause Yoga, Gymnastik, Tanzen oder ähnliches machen, ist nicht so wichtig. Es soll Ihnen Spaß machen und Sie sollen sich dabei wohl fühlen

Negatives Denken

Grundsätzlich neigt jeder Mensch dazu, wenn er unter Druck ist, oder sich zusätzlich einsam fühlt, die Welt eher negativ zu betrachten. Das kann dazu führen, dass man das Positive im Leben übersieht und nur mehr auf das Negative oder Angst machende achtet. Damit bestätigt man sich nur das schwarze Bild und fängt an zu glauben, dass es nichts Anderes gibt.
Diese Verzerrung der Wahrnehmung gehört zu den größten Gefahren für ihre seelische Gesundheit. Mit dieser negativen Denkweise können Sie auch andere anstecken oder selbst angesteckt werden.

Dagegen gibt es Abhilfe:
Wenn Sie sich in einer Gruppe oder in einem Chat bewegen oder mit Personen Kontakt haben, die diese Denkweise stark haben, sollten Sie den Kontakt einschränken oder aufgeben. Wenn es sich um wichtige Personen handelt, mit denen Sie in Kontakt bleiben wollen oder sollen, dann sprechen Sie es an. Damit können Sie sich aus dem Sog befreien und auch noch der anderen Person helfen, besser durch diese Zeit zu kommen.

Gefühle

Für Sie selbst ist es wichtig, sich Ihrer eigenen Gefühle bewusst zu werden. Gerade in einer Zeit mit mehr Ruhe werden diese oft spürbarer. Manche von uns sind das nicht gewohnt, da im Alltag zu wenig Zeit dafür ist, oder wir uns zu wenig dafür nehmen. Grundsätzlich ist es gut sich mit seinen Gefühlen auseinander zu setzen und diese zuzulassen, ihnen Raum zu geben. Es ist aber nicht immer angenehm und einfach. Nutzen Sie ihre freie Zeit, dem nachzuspüren und darüber nachzudenken. Tun Sie aber nicht nur das, sondern reden Sie mit anderen, denen Sie vertrauen, darüber. Die Korrektur durch das Gespräch mit anderen wird verhindern, dass Sie sich verrennen und in Themen festbeißen. Manchmal tauchen auch alte Problemstellungen auf, werden akute Probleme stärker oder auch im Familienverband jetzt akut.

Sollten Sie von manchen Gedanken nicht wegkommen, planen Sie eine positive Beschäftigung, die Sie immer dann beginnen, wenn Sie länger als 10 Minuten gegrübelt haben. Sie können natürlich manche Dinge jetzt ansprechen, zu schwierige und lange Themen belasten aber gerade jetzt das sehr enge Zusammenleben.

Unterstützung zulassen

Wenn Sie merken, dass Ihr Umgang mit diesen Dingen, oder auch der einer/s Familienangehörigen stark in diese Richtung geht, sprechen Sie mit externen FreundInnen und regen Sie das bei der/m anderen an. Scheuen Sie sich auch nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Trotz der derzeit eingeschränkten Möglichkeiten arbeiten fast alle Einrichtungen über telefonischer Beratung, auch telefonische oder Videopsychotherapie ist möglich, um Sie zu unterstützen. Im Krisenfall gibt es immer auch persönliche Kontakte.Das hilft nicht nur Ihnen selbst, sondern entlastet alle Personen die jetzt auf engem Raum zusammenleben. Sollten Sie sehr großen Stress, Traurigkeit oder auch Aggression empfinden, egal ob durch die gegenwärtige Situation, oder andere Anlässe ausgelöst, ist es jetzt besonders wichtig sich Hilfe zuzugestehen und zu holen.

Stress erkennen

Treten bei Ihnen oder bei Familienmitgliedern Stresssymptome auf, versuchen sie zu reagieren. Stress kann sich als Rückzug, Traurigkeit bis hin zur Depression zeigen, aber auch als Unruhe, Gereiztheit und Aggression.

  1. Bei starkem Rückzug: Gehen Sie auf die Person zu, sagen Sie ihr, dass Sie die Veränderung bemerkt haben und bieten Sie ihr an darüber zu reden. Geben Sie keine guten Ratschläge, sondern hören Sie zu. Einfühlsames Zuhören kann bereits viel zur Verbesserung beitragen. Wenn es nicht zur Stabilisierung der Situation kommt, raten Sie der Person frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor alles noch schlechter wird.
  2. Bei Gereiztheit, drohender Aggression und ent- oder bestehenden Konflikten: Sprechen Sie Ärger an, noch bevor die Situation eskaliert. So haben Sie, oder ihr Gegenüber, die Möglichkeit zu erklären, was Sie stört. Ist das Problem nicht lösbar, machen Sie einen Spaziergang um Ihre Stimmung wieder zu normalisieren. Auch die anderen Personen werden diese Zeit brauchen. Versuchen Sie danach für die nächste Zeit zu klären, wie mit der Situation umgegangen wird. Hilfreich ist oft, wenn möglich, eine zeitweise räumliche Trennung. Jeder soll ein paar Stunden am Tag für sich alleine haben und sich zurückziehen können. Ist die Wohnung zu klein, machen Sie aus, wer wann einen längeren Spaziergang unternimmt um die anderen zu entlasten.

Toleranz

Machen Sie sich in jedem Fall bewusst, dass es sich um eine schwierige, aber auch zeitlich begrenzte Situation handelt. Alle leiden unter dieser Situation, bei jedem zeigt sich der Druck aber etwas anders. Auch wenn Sie Reaktionen im Moment nicht verstehen oder gutheißen, ist es hilfreich, wenn Sie es schaffen, jetzt etwas nachsichtiger als sonst zu sein. Nachsichtiger nicht nur gegenüber den Anderen, sondern auch mit sich selbst.

Aggression und Gewalt

Sollte es tatsächlich passieren, dass Sie oder andere sehr starke Gefühle in Richtung Aggression und Gewalt haben, ist es wichtig darauf zu reagieren. Diese Gefühle zu haben ist nicht ungewöhnlich. Gefährlich wird es aber, wenn sie ausgelebt werden. Das gilt es zu verhindern.

Unter Gewalt fallen bereits anschreien, aber auch langes Ignorieren, zynisches, abwertendes Verhalten und nicht nur tätliche Gewalt. Wenn Sie oder andere es fast nicht mehr aushalten, wechseln Sie den Raum, bewegen Sie sich, atmen Sie durch, versuchen Sie sich so zu beruhigen, oder bitten Sie das Gegenüber darum ähnliches zu tun. Versuchen Sie nicht beschuldigend zu sein, sondern nur ihre Gefühle auszudrücken (z.B. nicht …du schreist…, sondern, …mir geht es nicht gut, wenn du laut bist…).

Kommt es doch zu körperlicher Gewalt, reden Sie mit der Person und schützen Sie sich selbst und andere. Suchen Sie Hilfe bei auf dieses Thema spezialisierten Einrichtungen. Tun Sie das auch, wenn die Gewalt von Ihnen ausgeht. Wichtig ist, dass Sie rechtzeitig Hilfe holen, bevor etwas passiert. Sollte es notwendig sein, scheuen Sie sich nicht, auch die Polizei einzuschalten.

Unter www.notrufnummer.at finden Sie alle wichtigen Telefonnummern zusammen gefasst.

Was Sie speziell im Leben zu Zweit beachten können um gemeinsam gut durch die Krise zu kommen, lesen Sie in Teil 3.

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