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Psychische Krankheiten sind Volkskrankheiten und sie breiten sich aus. Im Jahr 2030 werden drei psychische Krankheiten weltweit unter den „Top 5“ der häufigsten Krankheiten liegen: Depressionen werden die häufigste Krankheit sein, auf Platz 3 folgt Alzheimer und auf Platz 5 Alkoholsucht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht mittlerweile davon aus, dass jede dritte Person im Laufe seines Lebens – zumindest vorübergehend – von einer psychischen Krankheit betroffen ist. 

Depression: Jeder 15. ist betroffen

Eine von 15 Personen erkrankt im Schnitt pro Jahr an einer Depression. In vielen Fällen ist diese Krankheit mit Suizidgedanken verbunden. Nicht in allen Fällen führt das zu einem Suizidversuch oder einem tatsächlich erfolgten Suizid, aber in jedem Fall müssen Anzeichen dafür oder allfällige Ankündigungen ernst genommen werden. „Nicht glaubwürdige“ Suizidankündigungen – die gibt es schlichtweg nicht.

Zahlen, die alarmieren

Die Forschung geht davon aus, dass 60 Prozent aller Suizide in Zusammenhang mit einer vorangegangenen Depression stehen und dass 15 Prozent aller Menschen, die an einer Depression erkranken, einen Suizidversuch unternehmen – das ist fast jeder siebente (!) Kranke.

Dreimal mehr Suizidopfer als Verkehrstote

Ein dramatischer Vergleich sollte uns die Augen öffnen: In Österreich sterben dreimal so viele Menschen durch einen Suizid wie bei Verkehrsunfällen. Warum hören und lesen wir von Suiziden nicht so häufig wie von Unfällen? Das hat zunächst einen positiven Hintergrund. Die Medien üben sich über weite Strecken in einer selbstauferlegten Zurückhaltung. Eine Berichterstattung über einen Suizid in den Medien kann suizidgefährdete Personen zu einer Nachahmungstat bewegen. Diesen Effekt nennt man „Werther-Effekt“. Im 18. Jahrhundert führte die Veröffentlichung von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ zu einer Suizidwelle – die Hauptfigur Werther nahm sich in dem Roman das Leben.

Suizide von Prominenten werden publik

 Suizide von Prominenten und bekannten Persönlichkeiten lassen sich indes kaum verheimlichen.  In diesen Fällen betonen Medien das – kaum zu leugnende – öffentliche Interesse an den Tragödien. Verantwortungsvolle Medien orientieren sich in der Berichterstattung über Suizide an einem Leitfaden, der wissenschaftlich fundiert ist. Er empfiehlt unter anderem: Keine reißerische Platzierung des Suizids auf Titelseiten, keine Formulierungen wie „erfolgreicher Selbstmord“, oder „letzter Ausweg.“ Der Medienleitfaden rät dagegen: Das Wort „Selbstmord“ – es diskreditiert die Opfer zusätzlich – soll durch das Wort „Suizid“ ersetzt werden, in jedem Fall sollen in einem allfälligen Bericht Informationen über bestehende Hilfsangebote für Menschen mit Suizidgedanken platziert werden.

„Papageno-Effekt“ kann positiv wirken

Seriöse Medien in Österreich nehmen das ernst (siehe Bild). Eine verantwortungsvolle Berichterstattung über Suizide wird auch von Organisationen wie pro mente Austria begrüßt. Analog zum „Werther-Effekt“ gibt es nämlich auch einen positiven Effekt: Als „Papageno-Effekt“ bezeichnet man die Verhinderung von Suiziden durch eine verantwortungsvolle Thematisierung in den Medien, die den Medienkonsumenten auch die Möglichkeit der Bewältigung einer suizidalen Krise aufzeigt. Der Begriff bezieht sich auf die Figur Papageno in Mozarts Oper Zauberflöte. Papageno ist wegen Liebeskummers suizidgefährdet, er wird aber von den „Drei Knaben“ ermuntert, an einer Lösung seines Problems zu arbeiten.

Mag. Sandra Grünberger ist Leiterin des Bundessekretariats & der Öffentlichkeitsarbeit von pro mente Austria.