Die Aufgaben des Lebens

Schritt für Schritt das Leben gestalten, Hürden meistern und an Herausforderungen wachsen. Das Leben hält in jeder Lebensphase unterschiedliche Aufgaben für uns Menschen bereit. Diese Aufgaben vom Kleinkind bis ins hohe Alter möglichst gut zu bewältigen, unterstützt ein gelungenes Leben.

Jede Lebensphase eines Menschen hält ihre Aufgaben bereit – psychische und gesellschaftliche Aufgaben sowie individuelle Ziele.   Psychische Krisen entstehen oft, weil einer dieser Meilensteine im Leben nicht geschafft wird bzw. sind Krisen oft auch Ursachen dafür, dass ein Schritt nicht bewältigt werden konnte. Es ist wichtig, sich die Herausforderungen der verschiedenen Lebensphasen vor Augen zu halten und auch zu wissen, dass jeder Mensch trotz seiner Individualität und eigenen Entwicklung vor ähnlichen Lebensaufgaben steht. Diese gut zu bewältigen ist ein grundlegender Baustein für ein gelungenes Leben. In manchen Phasen ist Unterstützung von außen wichtig um nicht steckenzubleiben, sondern sich im Fluss des Lebens weiterbewegen zu können.

Kindheit und Jugend

Die Kindheit ist geprägt von großen grundlegenden Lernaufgaben wie Sprechen, Gehen, Schreiben, Lesen,  Sauberkeit, mit anderen kommunizieren zu können, und mit anderen Einzelpersonen und Gruppen in Kontakt sein zu können. Kinder lernen in dieser Zeit gesellschaftliche Werte und Kulturtechniken, die die Basis unserer Gesellschaft bilden sowie Beziehungen aufzunehmen und zu halten.

In der Jugend kommen andere Herausforderungen dazu. Diese sind neben der Verarbeitung der körperlichen und geistigen Umstellung vom Kind zum Erwachsenen Herausforderungen wie die schrittweise Ablösung vom Elternhaus, Schulabschluss, Vorbereitung auf berufliche Ausbildung, Selbstständigkeit und Selbstorganisation, erste sexuelle Erfahrungen und partnerschaftliche Beziehungen, aber auch deren Scheitern. Vielen Menschen gelingen diese Schritte bereits in jugendlichem Alter, manche brauchen dafür auch etwas länger. Unabhängig von der Zeit sind diese Meilensteine wichtig, um gut für das Leben als Erwachsener gerüstet zu sein.

  • Erlenen grundlegender Aufgaben wie Sprechen, Gehen, Schreiben, Lesen, …
  • Erste Beziehungen
  • Erlernen von Werten und Kulturtechniken
  • Schrittweise Ablösung vom Elternhaus
  • Schulabschluss und Ausbildung
  • Vorbereitung auf berufliche Aufgaben
  • Das Gelingen von Beziehungen erlernen
  • Selbstständigkeit und Selbstorganisation
  • Sexualität und Körperwahrnehmung

Erwachsene

Die Aufgaben als Erwachsene/r stehen in großem Maß in Zusammenhang mit der Übernahme von Verantwortung, einerseits für das eigene Leben, aber auch für andere.

Herauszuheben wären hier der Einstieg in die berufliche Tätigkeit mit all ihren Herausforderungen, Partnerwahl, Gründung einer Familie und eines „Heims“. In der Elternrolle trägt man die damit verbundene Verantwortung in Hinsicht auf Erziehung und Vorbild, sowie auch finanzielle Verantwortung. In vielen Fällen sind Trennungen, Neuordnung von Beziehungen und Patchworkkonstellationen zu bewältigen. Das Heranwachsen der Kinder bringt Herausforderungen, genauso wie ein fordernder Job bei zunehmendem Alter. Wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig werden, will auch diese Aufgabe gemeistert werden, dazu kommt die Vorsorge für das eigene Alter. Das alles, ohne dass die Energie ausgeht und die Lebensqualität sinkt. In dieser Lebensphase gehört man plötzlich zur Altersgruppe derer, die im Familiensystem die Letztverantwortung tragen, die „Vorgängergeneration“ kommt langsam abhanden.

  • Partnerwahl
  • Gründung einer Familie/eines Haushaltes
  • Beruflich Herausforderungen
  • Elternrolle und Fürsorge für Familie
  • Übernahme von Verantwortung
  • Pflege der Eltern
  • Eventuell Patchworkkonstellationen
  • Anpassung an körperliche Veränderung
  • Aufrechterhalten des Lebensstandards
  • Finanzielle Vorsorge für das Alter

Alter

Spätestens mit der Pensionierung beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt. Es wird notwendig sich den Alltag ohne die Struktur der beruflichen Tätigkeit zu organisieren. Die Kinder sind bereits „aus dem Haus“ und es besteht ungewohnt viel Zeit mit dem/r PartnerIn. Trotz anfangs noch hoher Energie muss das Leben grundlegend neu geordnet werden, Sinn und Struktur neu entwickelt und die Partnerschaft neu gestaltet werden. In höherem Alter kommen unter Umständen neue Belastungen in Form von körperlichen Beschwerden, Einengung der Bewegungsmöglichkeiten und dem Verlust von Familienmitgliedern und Freunden hinzu. Auch das eigene Altern, der Verlust körperlicher und evtl. geistiger Fähigkeiten müssen verkraftet werden. Dies unter Beibehaltung des vollen Selbstwertes zu schaffen ist keine leichte Aufgabe. All das ist aber wichtig um im Alter nicht an selbstgewählter Einsamkeit und Rückzug zu leiden. Bei zunehmend körperlicher Problematik ist auch noch die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, dem Tod notwendig.

  • Leben ohne Kinder im Haus neu gestalten
  • Mit dem technischen Fortschritt Schritt halten
  • Anpassung an Ende der Erwerbstätigkeit
  • Körperliche Gebrechen ertragen
  • Schrumpfender Freundeskreis
  • Einsamkeit
  • Ordnung in den Nachlass bringen
  • Vorbereitung auf den Tod

Psychische Krisen entstehen oft, weil einer der Meilensteine im Leben nicht geschafft wird. Auch Krisen sind oft die Ursache dafür, dass ein Schritt nicht bewältigt werden konnte.

Resümee

All diese Aufgaben stellen schon für grundsätzlich gesunde Menschen eine große Herausforderung dar, die jeder in seiner eigenen Weise angeht und löst. Wenn sich aber im jeweiligen Lebensalter psychische Probleme dazugesellen, wird es ungleich schwerer. Das bedeutet auch, dass durch ungelöste Aufgaben nachfolgende Phasen beeinträchtigt und verschoben werden. Kleine Verzögerungen stellen kein Problem dar, ein Steckenbleiben aber macht eine zufriedenstellende Entwicklung des Lebens unmöglich. Deshalb ist es sinnvoll, sich in solchen Krisen von Angehörigen, Freunden, aber auch externen Fachleuten helfen zu lassen.

Von Günter Klug

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